Merri-Lu

Ich habe Merri im Jahr 2005 von meinem ehemaligen Nachbarn gekauft. Zuvor habe ich sie gepflegt und geritten. Eigentlich habe ich sie erst reitbar gemacht. Bevor sie zu meinem Nachbarn gekommen ist, stand sie bei einem Bauern, der sie nur mal zum Anspannen aus dem Stall geholt hat. Sie hatte wohl selten eine Bürste gesehen und gespürt noch seltener. Einen Hufräumer schien sie gar nicht zu kennen. Als ich sie das erste Mal sah, war ich begeistert. Merri hatte so liebe Augen. Ich holte gleich mein Putzzeug und fing an, das Pferd sauber zu machen. Bei den Hufen angelangt, sah ich, daß in einem Hinterhuf ein verrosteter Kronkorken von einer Bierflasche steckte. Er steckte so tief drin, daß ich alle meine Kraft aufbringen mußte, ihn zu entfernen. Und damit begann eine wunderbare Freundschaft. Ich glaube, Merri war mir sehr dankbar dafür.

 

 

Sie war sehr verschmust. Jeden Tag war ich bei ihr, hab sie geputzt und mit ihr geschmust. Reiten konnte ich sie noch nicht, weil ich weder Sattel noch Trense hatte. Aber wir waren zusammen und das war die Hauptsache.

Als mein Nachbar dann endlich eine Trense besorgt hatte, konnte es losgehen. In einem Anfall von Gößenwahn setzte ich mich auf das "nackte" Pferd und ging ins Gelände. Erstmal nur Schritt. Ich muß dazu sagen, daß ich jahrelang nicht mehr geritten bin und sich eine leichte Unsicherheit ausbreitete. Aber Merri sah es gelassen und ging artig. Ich glaub, sie hat es genossen, mal etwas anderes zu sehen, als diesen Stall...

Wir dehnten unsere Ritte aus. Zum Schritt kam der Trab. War aber sehr anstrengend, weil die Schrittfrequenz von ihr sehr hoch ist. Sie lief wie eine Nähmaschine. Und das ohne Sattel. Aber es war einfach wunderbar. Irgendwann mußte ich mir aber einen Sattel kaufen. Also stöberte ich bei eBay und fand auch einen. Ein Starterset. Mit Steigbügeln und Bauchgurt. Neu und zu einem guten Preis.

Kaum war der Sattel da, ging es los. ER PASSTE SOGAR. Ich war glücklich. Nun stand unseren Ritten nichts mehr im Weg.

Merri merkte, daß ich sicherer wurde. Das war wohl für sie das Startzeichen. Sie wurde wild und immer wilder. Wie oft habe ich im Dreck gelegen! Pupsen, Buckeln, Kopf runter, Reiter absetzen. Das wurde zu ihrem Hobby. Aber ich wurde mit jedem Mal, mit jedem Sturz besser und entschlossener. Bald habe ich sie ausgelacht, wenn sie buckelte. Das hat sie verwirrt und sie hörte auf. So ging es ca. 2 Jahre. Wir hatten viele Meinungsverschiedenheiten. Merri hat den typischen Haflinger-Dickschädel. Es gab auch Zeiten, wo sich mich angestiegen ist, einen Kapselriß im rechten Mittelfinger hab ich von ihr und unzählige blaue Flecken.

Und dann kam da DER entscheidende Tag. Ich war krank und lag mit Fieber im Bett. Wollte aber mal raus an die Luft und ging zu Merris Koppel. Sie war weg. Abgehauen. Ein anderer Nachbar hat Zuchtstuten und da war sie. Rannte an der Koppel hoch und runter und wollte zu den anderen. Sie tat mir irgendwie leid, weil sie ja immer allein war. Doch es war keine Zeit für Mitleid. Mir ging es nicht gut, ich hatte Fieber und Merri mußte wieder nach Hause. Ich rief sie. Als Merri mich sah, kam sie im gestreckten Galopp auf mich zugerannt, blieb vor mir stehen und ließ sich ganz brav mit nach Hause nehmen.


DA WUSSTE ICH: DAS IST MEIN PFERD.