Mein 25-jähriges Bühnenjubiläum

 
Im August 2011 hatte ich mein 25-jähriges Bühnenjubiläum.

Von der Freude, anderen Freude zu bereiten
Catharina Struwe hat wenig Zeit. Zwischen den Proben zum 8. GlückAufFest der Neuen Bühne Senftenberg packt die Schauspielerin Umzugskisten. Zeit zum Besinnen bleibt nicht viel. Dabei könnte das 25-jährige Bühnenjubiläum ein guter Grund dafür sein. Im RUNDSCHAU-Gespräch erzählt sie von ihrem Weg.

Catharina Struwe hat in 25 Jahren in Senftenberg mehr als 120 Rollen gespielt.
Sie sind in Meißen geboren, haben in Potsdam gelebt und studiert. Was hatte sie 1986 nach Senftenberg verschlagen?

Der Zufall. Ich hatte nach dem Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam/Babelsberg eigentlich schon ein Engagement in Stendal. Dort hatte ich als Studentin Gastrollen gespielt, und die wollten mich. Dann bin ich 1986 mit einem Kollegen, der in Senftenberg vorsprechen sollte, als Ansprechpartnerin mitgefahren. Wir waren, glaube ich, fünf Studienkollegen. Der damalige Intendant sagte: Ich nehme euch alle. Und das fand ich reizvoll: mit Studienkollegen weiter Theater spielen. Eigentlich wollte ich ja nur drei Jahre bleiben.

Woraus jetzt 25 geworden sind. Haben Sie nie mit dem Gedanken gespielt, wegzugehen?

Doch, immer wieder mal. Anfangs hatte ich auch meine Schwierigkeiten mit der Klein- stadt, die mir wie die damalige Landschaft grau und trist vorkam. Doch es gab immer wieder Rollen, die mich gehalten, weil sie mich gefordert haben.

Und an die Gegend haben sie sich gewöhnt?

Ich fühle mich hier aufgehoben und angenommen und bin froh, an diesem Theater zu spielen. Na ja - und wo ich huck, da huck ich. Ja, ich lebe auf dem Land, weil ich Ruhe brauche und Hektik schlecht dauerhaft ertragen kann. Mir ist ein Rückzugsort wichtig, an dem ich mich auch mal richtig fallen lassen kann, und wo die Balance zwischen Spannung und Entspannung stimmt.

Dabei helfen Ihnen auch Tiere, wie Ihre Homepage erzählt.

Ich bin ein Pferdenarr, ein Tiernarr überhaupt. Ich habe so viel von ihnen gelernt! Als die Premiere der Fäuste (Faust I, Faust II d. A.) war, bin ich beispielsweise zu meinem Pferd, meiner Merri-Lu, gefahren, habe mich in ihren Hals vergraben und hemmungslos geheult. Sie hat mir die Anspannung, die in den Tagen vor einer Premiere bis ins Unerträgliche steigt, genommen.

Sie haben in den 25 Jahren an der Neuen Bühne von der Steffi in Uwe Saegers „Flugversuch“ bis zur Isolde Baumeister in „Camping, Camping 4“ in mehr als 120 Rollen in über 100 Inszenierungen gespielt. Besonders gern auch Männerrollen. Warum?

Männerrollen – früher nannte man sie Hosenrollen – sind oft reizvoller, vielschichtiger – und es gibt einfach mehr gute Männerrollen. Das ist auch etwas, was den Reiz des kleinen Theaters ausmacht: Wer kann schon in seiner Laufbahn Mephisto spielen? Ich konnte es. Sogar als Frau.

Mit guten Kritiken. Ihr Vater Alfred Struwe hat das leider nicht mehr erlebt.

Leider nicht, aber ich habe es doch für ihn gespielt. Er war immer bei mir.

Schwebt der Schatten des in der DDR bekannten und beliebten Darstellers von Claus Schenk Graf von Stauffenberg oder Dr. Wittkugel über Ihnen?

Im positiven Sinne. Wenn ich nicht weiter weiß, frage ich ihn in Gedanken um Rat. So wie es früher war. Wir haben viel zusammengesessen und über Moral und Werte diskutiert. Ich habe unglaublich viel von ihm gelernt.

Zum Beispiel?

Die Ehrlichkeit auf der Bühne. Wenn mein Vater Nazis gespielt hat, hat er sie glaubhaft rübergebracht – und in Winzigkeiten trotzdem gezeigt, wie er sie verachtet. Ich bin auch so eine ehrliche Haut.

Und jemand, der lieber lobt statt tadelt.

Für mich ist die positive Bestärkung so etwas wie eine Lebensphilosophie. Es ist so leicht und kostet nichts, jemanden zu bestärken, zu loben, anzuerkennen. Wer das erfährt, geht doch mit viel mehr Begeisterung an seine Arbeit. Mir macht es Freude, anderen Freude zu machen. Das habe ich übrigens auch aus der Beschäftigung mit Tieren gelernt.

Welche Rolle sollte in den nächsten 25 Jahren dabei sein?

Ich könnte mir die Elisabeth in Schillers Maria Stuart vorstellen. Ich spiele gern das Böse. Die Widersprüche zu zeigen, das sind Rollen, die wirklich Spaß machen.

Mit Catharina Struwe

sprach Heidrun Seidel.

 


 

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